Warum neidische Fotografen dir helfen im Gespräch zu bleiben

Meine Erlebnisse mit missgünstigen Fotografen, warum dir Neid anderer Menschen hilft bekannter zu werden und was es mit Facebookgruppen auf sich hat.

Vor einigen Tagen entstand auf Facebook eine Diskussion unter dem Beitrag eines Fotografen dem ich folge. Ein Hochschuldozent (lt. eigenen Angaben), der sich über ungelernte Fotografen echauffierte die „schlechte Fotos hochladen“. Der Tenor der Aussage war in etwa: „Gute Fotografen sind gelernte Fotografen“ und „jeder der in diesem Bereich arbeitet sollte erst mal eine Ausbildung gemacht haben“ und „die ungelernten Fotografen machen uns das Business kaputt und können gar nicht so gut fotografieren wie die gelernten.“

Also zunächst mal ist das völliger Quatsch, es gibt unzählige Beispiele die das Gegenteil beweisen. Ich muss an dieser Stelle aber auch fairerweise anmerken, dass sich ohnehin nicht immer der gute oder total talentierte Fotograf durchsetzt.

Ein anderer Kritikpunkt an der Aussage „Ausbildung muss sein“ ist, dass eine Ausbildung oft die Kreativität tötet und nicht fördert. Das Schlimmste daran ist allerdings, dass man in einer Ausbildung zum Fotografen keinerlei business Wissen vermittelt bekommt. Man ist nach der Ausbildung nicht für den Start in die reale Geschäftswelt vorbereitet. Vielmehr wird diese Ausbildung künstlich am Leben gehalten etwa wie das Leben mit einem Spenderorgan, man lebt zwar weiter, allerdings mit etlichen Pillen täglich damit das Organ funktioniert. In einer Ausbildung oder als angestellter Fotograf ist das Ziel auch überhaupt nicht primär sich künstlerisch auszudrücken oder alle Freiheiten genießen zu können die man in der Gestaltung haben möchte.

Niemand braucht heute mehr zu wissen wer Henri cartier bresson oder Helmut Newton oder sonst wer gewesen ist. Niemand muss heute wirklich noch irgendwelche Formeln können um irgendetwas sinnloses zu berechnen. Das ist in etwa so als würde man mir beibringen wie ich mich in Südafrika bei einer Schneelawine zu verhalten habe obwohl es diese Gefahr nun gar nicht gibt. Willst du als Fotograf deinen Lebensunterhalt verdienen, dann sind viele andere Dinge wichtig, dazu aber in einem anderen Blogeintrag mehr.

In Zeiten von Interesse an Kunst, allgegenwärtiger Fotografie, Kamera im Handy, massig Apps für Fotografie, inflationärem Bilderkonsum im Internet, Instagram, Facebook uvm. findet mittlerweile auch der geschmackloseste Fotograf seine Zielgruppe. Das ist aber auch gut so!

Heute geht es schon längst nicht mehr nur darum ob die Bilder die jemand produziert der Schlüssel zum Erfolg sind. Es geht immer mehr um den Faktor der „Selbstvermarktung“. Wie präsentiere ich mich, wie positioniere ich mich und wie plane ich zumindest mittelfristig viel zu erreichen.

Selbstvermarktung 

Eben diese führt auch dazu, dass der ein oder andere Fotograf etwas sehr extrovertiert daherkommt und sich entsprechend Präsentiert. Wie gemacht für missgünstige Menschen die es kaum aushalten das zu ertragen. Innerliche Haltung nach dem Motto „Ey dieser Spacko was führt der sich hier so auf?“ „Was erlaubt der sich überhaupt sich so gut dabei zu fühlen?“ „Und überhaupt seine Bilder, richtig schlecht!“ „Peinlich!“ Am häufigsten aber auch Dinge wie „mit dem Geld und diesen Mitteln könnte ich das auch“ Das traut sich aber kaum jemand zu schreiben, drum schreibt man unnötige Kritik zu Bildern die hoch professionell klingen soll aber eigentlich nur dazu geschrieben ist dem Verfasser zu zeigen, dass man nichts von ihm hält. (Übrigens sind es oft die Personen die ein auffällig tolles Portfolio haben…nicht). Manch einer erdreistet sich dann tatsächlich Dinge zu schreiben wie „schlecht“, „nicht mein Fall“, „geht besser“, „Model ist aber dünn“, „schlechtes Licht“ o.ä. Ich persönlich denke mir dann immer „Dann mach es doch einfach besser und wenn du zu missgünstig oder neidisch bist, dann schaff das gleiche wie die Person die du kritisierst oder nimm es als Motivation!“ Niemand ist vom Meckern und Selbstmitleid jemals zufrieden oder erfolgreich geworden. (Anmerkung: Erfolg bedeutet für jeden Menschen etwas anderes)

Das ist manchmal einfach der pure Neid der aus den Personen spricht. Der Neid der Beiträge von präsenten Fotografen in Facebook Gruppen oben hält, der Neid der eure Beitragsreichweite auf den Fanseiten steigen lässt, der Neid der die Fotografen entlarvt, die sauer auf euch sind weil ihr es einfach macht und zeigt!

Riesig groß war der Aufschrei vieler Pressefotografen in Rio zum WM-Finale als dort ein lässig gekleideter Typ mit seiner kleinen Leica auf´s Spielfeld rennt um die Spieler hautnah zu fotografieren. Wieso darf der das, wie kann es sein, dass nur er das darf bla bla bla – Da spricht (teilweise) auch Neid. Natürlich ist das nicht für alle fair, natürlich gibt es Kritik dazu. Aber der Unterschied ist die Person hat es gemacht, die Person hat diese Chance gehabt, diese Chance genutzt, diese Aufmerksamkeit erhalten!

Es ist 11:40 ich sitze mit zwei wirklich netten Personen in meinem Abteil im Zug. Die eine Person ist weiblich die andere männlich. Ich befrage beide Personen zum Thema Neid in etwas so „Was fällt Ihnen zum Thema Neid ein?“ Die ungefähren Aussagen: „Neidisch zu sein hat auch damit zu tun, dass man sich benachteiligt fühlt“ / „Für mich ist es auch etwas, das mit Selbstbeherrschung zu tun hat, wer Neid laut äußern muss kann sich nicht gut beherrschen.“ / „Man muss seine eigenen Schwächen erkennen anstatt sie anderen zu unterstellen.“ Sehr wertvolle Ansichten wie ich finde. Die Frau meiner Gastfamilie in Baden Württemberg ergänzt beim Lesen „Neid kann auch ein positiver Antrieb sein.“

Spannendes Thema, ich selbst erwische mich auch manchmal dabei wie ich neidisch bin, was für mich ein charakterlicher Albtraum ist! Ich verkneife mir in den meisten Fällen einen unnötigen Kommentar. Warum? Weil es niemanden weiter bringt und mich erst recht nicht wenn ich negativ auffalle. Abschließend kann man sagen „Neid, ok aber Missgunst niemals!“ 

Denkt immer daran, dass ihr jemandem den Tag mit euren abwertenden Kommentaren versauen könnt der ganz stolz auf das ist was er geschaffen hat. Abgesehen davon nimmt man euch dann auch negativer und missgünstiger wahr. Wie eine konstruktive ehrliche Kritik geht, ist nicht unbedingt leicht. Man muss den richtigen Ton treffen, niemand freut sich wirklich über negative Kommentare! Im Übrigen ist es auch so, dass die Fotografen die besonders provozierend daher kommen, eher negativ im Gedächtnis bleiben. Ist es jetzt gut weil man sagen kann „Hauptsache im Gedächtnis, wie ist egal“? Ich bin der Meinung, dass man diese seltsame Art der Provokation und Vermarktung nur als „Masche“ benutzen sollte, wenn man wirklich starken Content liefert und das Portfolio beeindruckend gut ist. 


Wie sind eure Erfahrungen mit Neid auf Facebook und anderswo? Wie geht ihr damit um? Sagt es mir bei Facebook oder hier als Kommentar. Ich freue mich über euer Feedback in etwa so doll wie auf Pakete von Amazon!

In diesem Sinne, seid gut zueinander und liebt euch! LIEBE <3

Wenn ihr mich unterstützen wollt, dann freue ich mich wenn ihr diesen Beitrag auf den sozialen Kanälen teilt.

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17 Comments

  1. Björn 24. November 2016 at 17:11

    Schöner Beitrag. Ich selbst habe auch die reguläre Ausbildung zum Fotografen gemacht und sehe das ganze mit Gemischten Gefühlen 🙂 Aber das mag auch damit zusammenhängen, das wir alle anderen Folgen einer anderer Community beiwohnen und andere Meinungen haben. Dennoch top (y)

    Reply
    1. david 24. November 2016 at 22:00

      Dank dir für deine Rückmeldung auf jeden Fall. Ich verteufele die Ausbildung nicht per se wenn man was daraus macht und es als Grundlage nutzt. Aber es spricht für mich aktuell vieles dagegen!

      Reply
  2. Matze 24. November 2016 at 17:45

    Gelernt oder nicht, ist doch egal, das Ergebnis zählt, ich like oder kommentiere nur Bilder die mir gefallen, alles andere lass ich vorbei ziehen, in diesem Sinne – ein guter Artikel –

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    1. david 24. November 2016 at 21:59

      Vielen Dank!

      Reply
  3. Jan-Marlo Sokolowski 24. November 2016 at 18:37

    Sehr geil geschrieben David (y) Hier ist mein Amazon Black Friday Paket an Dich 😉

    Neid ist kein schlechter Charakterzug, sondern kann auch eine Chance sein. Ich bin oft neidisch auf so viele Shots, weil mir für einige Projekte Geld, Model, Location oder etwas anderes fehlt. Aber es ist eine Chance zu erkennen was einem fehlt und ab dem Zeitpunkt kann man daran arbeiten. Im Übrigen gebe ich es gerne den Personen gegenüber zu, dass ich neidisch bin, ich empfinde es oft auch als Zeichen der Anerkennung.

    Freue mich schon auf deine weiteren Blogbeiträge, mach dir mal einen E-Mail Verteiler, dann werde ich auch immer auf neue Beiträge hingewiesen.

    Liebe Grüße
    Marlo

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    1. david 24. November 2016 at 21:58

      Danke für deine ausführliche Rückmeldung man! Newsletter empfinde ich bisher immer so als etwas unangenehmes. Werde ich allerdings jetzt in den nächsten 2 Tagen einrichten. Ich hoffe, dass das überhaupt angenommen wird. <3

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  4. Alex 24. November 2016 at 21:59

    Klasse geschrieben, den Neid der anderen kann man sich auch mit tollen Blogs verdienen
    Ich freue mich auf weitere Themen…

    Reply
  5. Jessica Foxwild 25. November 2016 at 0:49

    Ich selbst bin Model und habe oftmals auch mit Neidern zutun…ich entgegne egal welchem Kommentar immer sehr freundlich und oftmals widerrufen die meisten im fortlaufendem Gespräch ihre Aussage…Keep smiling ist meine Devise und alle tun es mit dir

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    1. david 25. November 2016 at 1:11

      Gute Idee! 🙂

      Reply
  6. Stephanie Schlicker 25. November 2016 at 8:44

    Klasse geschrieben!
    Ich sehe es ähnlich wie Marlo, Neid zeigt mir auf, dass es etwas gibt was ich auch will. Wenn ich das (an)erkennen kann, kann ich darauf hinarbeiten, und versuchen mich stetig selbst zu verbessern.
    Leider sind viele nicht nur neidisch, sondern eben regelrecht missgünstig – egal in welchem Beruf. so Sprüche wie „so ein Leben wie Du möchte ich auch haben“ „den ganzen Tag bloß mit irgendwelchen Leuten quatschen und Kaffee trinken“ hab ich in meinem Hauptberuf auch schon oft gehört.
    Das schwierige ist sich nicht von missgünstigen Mitmenschen den Tag oder auch den Spaß an dem was man tut verderben zu lassen.
    Wie heißt es so schön „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten“!
    Da ist viel wahres dran, je erfolgreicher man wird, desto mehr Neider warten auf einen, auch hier wieder egal in welcher Branche.

    Danke für deinen tollen Blogeintrag, sobald es einen Newsletter gibt, freu ich mich auf noch mehr.
    LG Stephanie

    Reply
    1. david 25. November 2016 at 11:53

      Oh Stephanie, das ist wirklich ein nettes Feedback! Newsletter kommt ganz sicher. Das gebe ich auf meiner Facebookseite bekannt! Viele liebe Grüße

      Reply
  7. Martin Dürr 25. November 2016 at 12:44

    Super Artikel. Es gilt halt nachwievor der Spruch: „Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt“.
    Ich bin kein ausgebildeter Fotograf, wurde aber von einem amerikanischen Canon Explorers of Light dazu ermutigt mit der Fotografie zu beginnen. Der wiederum eine ordentliche Ausbildung als Fotograf genossen hat.
    Ist oftmals eine Einstellungssache. Man kann das aber auch postiv sehen. Bei Worshops sage ich meinen Teilnehmern immer dass der Kurs dann gelungen ist wenn ich auf Bilder der teilnehmer „neidisch“ bin, sprich sie sind so gut … die hätte ich auch gerne geschossen. 😉

    Reply
    1. david 25. November 2016 at 17:37

      Absolut Einstellungssache! Was man draus macht entscheidet am Ende, das stimm! 🙂 Danke!

      Reply
  8. Anke Kobabe 25. November 2016 at 13:03

    Das nenne ich, aus dem Herzen gesprochen. Wenn mich jemand kritisiert, schau ich mir diese Person einfach mal genauer an. Sehr oft stellt ich dann fest, das diese Person eben nur neidisch ist und schieb das dann beiseite. Wäre reine Zeitverschwendung, da was drauf zu geben.

    Reply
    1. david 25. November 2016 at 17:39

      Einfach immer lässig bleiben, das sehe ich genau so!

      Reply
  9. Carsten 26. November 2016 at 11:12

    Stimme dir bei allem zu, ausser „Niemand braucht heute mehr zu wissen wer Henri Cartier Bresson oder Helmut Newton oder sonst wer gewesen ist. „. Das sehe ich anders. Die Geschichte ist voller toller Fotografen, man kann sie nicht alle kennen, aber es ist toll so viele wie möglich davon zu entdecken. Erstens weil es Zeitgeschichte ist, und weil es einen in der eigenen Fotografie ungemein weiter bringen kann sie zu studieren. Am Besten aber in Form von Fotobüchern. Eine gut sortierte Sammlung Fotobücher kann echt bereichernd sein. Es gibt vieles neu zu entdecken und zu interpretieren. Alles ist ja schon fotografiert worden… nur noch nicht von jedem. 🙂

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  10. Rebecca 21. November 2017 at 0:19

    Sehr guter Beitrag!

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