Diese Gründe zeigen, warum du keine Ausbildung machen solltest

Heute widme ich mich einem sehr persönlichen Thema, das mich sehr beschäftigt und mein Leben geprägt hat. Die Ausbildung zum Fotografen. Ich möchte meine Sicht auf die Ausbildung schildern.

Erst mal gibt es die Ausbildung zum Fotografen in verschiedenen Bereichen. Beispielsweise: Werbe- und Industriefotografie, Portraitfotografie, Wissenschaftsfotografie und Architekturfotografie. Diese Angaben sind nicht ganz genau, aber so weit ich mich erinnere, werden diese Bereiche innerhalb des schulischen Teils (NUR in der Abschlussprüfung) berücksichtigt. Was so viel bedeutet wie, egal aus welchem Bereich du kommst und was du 3 Jahre lang in deinem Unternehmen machst, in der Schule wird 3 Jahre lang für jeden der gleiche Unterricht angeboten. Was per se nicht unbedingt schlecht sein muss.

Ich bin zum Anfang meiner Ausbildung in eine Klasse mit ungefähr 26 weiteren Schülerinnen gekommen. Jap ich war der einzige Junge in dieser Klasse. Meine Mitschülerinnen waren alle ziemlich cool drauf und ich habe meine feminine Seite ganz neu entdecken können. Spaß bei Seite. Worauf ich hinaus will ist, dass nach nur etwa 3 Monaten schon ca 10 Leute nicht mehr in dieser Klasse waren. Durchschnittlich sagte mein Lehrer, gehen ungefähr 50% der Auszubildenden im ersten halben Jahr weg.

Warum ist das so? Gibt es echte Gründe dafür?
Heute bin ich der Meinung, dass es tatsächlich Gründe dafür gibt. Zum einen ist es

die Bezahlung:

durchschnittliches Gehalt im 1. Lehrjahr (Stand 2010 Niedersachsen) in einem durchschnittlichen Portraitgeschäft waren ca. 230€ netto monatlich. In größeren Betrieben oder speziellen Unternehmen ohne Ladengeschäft kann das enorm abweichen. Das Argument „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ kann man bringen, aber nicht wenn alles andere außer der Bezahlung auch scheiße ist! Nächster Punkt sind

die Arbeitszeiten:

40 Stunden arbeiten, Überstunden dürfen oft nicht aufgeschrieben werden, weil der Inhaber des Ladengeschäfts auf jeden Euro achtet, damit sein Gewinn am Ende auch noch stimmig ist. Dass man für Leistung bezahlen sollte hat der Chef schon in dem Moment vergessen, indem er einen Vertrag unterschreiben ließ in dem ein Gehalt von 230€ steht. Zusätzlich zu den 40 Stunden + Überstunden die nicht bezahlt oder aufgeschrieben werden kommt die Samstagsarbeit noch hinzu. Ich muss fairerweise sagen, dass es für viele einen Ausgleichstag frei gab, in der Woche wenn sowieso kein anderer Zeit hat um etwas zu unternehmen und man sich fühlt als sei Sonntag. Aber wer seinen Traum liebt der muss auch verstehen, dass er investieren muss und dass die Arbeit eben nicht immer nur Glamour und Spaß ist! Der Tenor meiner Aussage ist nicht „oh samstags arbeiten total schlimm“, ich sehe sogar das Gegenteil darin, ich würde sogar 15 Stunden täglich 7 Tage die Woche arbeiten, wenn ich das was ich mache auch wirklich von Herzen liebe. Da kommen wir jetzt zum nächsten Punkt, nämlich

das Arbeitsumfeld: 

„Machst du mal eben das Passbild für die Kundin bitte…“ oder „halt stop die Blitze werden nicht umgestellt wir machen das seit 20 Jahren so und das bleibt alles so wie´s hier ist“ und „üben kannst du in deiner Freizeit“ oder auch der Klassiker „machst du deine Berichtsheft Aufnahmen bitte nach deiner Arbeitszeit (Zuhause). Das sind keine Extrembeispiele, sondern diese Sätze hallen aus den kleinen Räumen der meist unter Verkaufsdruck stehenden Kleinstadt Fotostudios mit wenig Charme. Ein Chef oder eine Chefin die komplett in der Zeit hängen geblieben sind und nicht verstehen was moderne zeitgemäße Fotografie bedeuten, die kein Gespür für den Lehrling haben der sich gerne entfalten möchte. Die pure Dummheit und die pure Arroganz dieser Leute sorgt dafür, dass man sich nicht wohl fühlt und man sich selbst fragt ob man sich das antun möchte. Natürlich geht es in einer Ausbildung nicht nur darum Spaß zu haben sondern auch viel zu lernen aber ganz ehrlich, kann man von einer Person lernen, die einem sagt, dass man den Stil seit 20 Jahren nicht verändert hat und auch nicht bereit ist das zu tun? Das ist auch mein persönlicher Hass gegen die Chefs meiner Schulkameradinnen, solche Leute sitzen später im Prüfungsausschuss. Besonders negativ in meinem damaligen  Prüfungsausschuss aufgefallen, ist mir eine Dame aus genau so einem Ladengeschäft, so eine typische „IchWerdeBald50UndSchneideMirTotalCrazyEineKurzhaarfrisurMitHaargel“.  Erwartet bitte nicht, dass diese Personen irgendetwas von Fotografie verstehen. Oft reicht es sein Geschäft in Nähe einer Stadtverwaltung aufzubauen, Passbilder zu machen, kleine Digitalkameras zu verkaufen und lieblose Portraits zu teuer zu verkaufen. Das ist ein Job den ich sehr schätze und nicht schlecht machen möchte. Ich möchte allerdings anmerken, dass diese Leute einem oft nicht wahnsinnig viel beibringen können was einem im beruflichen Leben weiterhelfen kann und einen eher als sehr günstige Arbeitskraft sehen. Ich habe Geschichten gehört wie „ich musste mit dem Hund von meinem Chef Gassi gehen“ oder „Ich durfte bis jetzt noch nie selbst fotografieren, nicht mal Bewerbungsbilder“ – Yes, Ausnahmen bestätigen die Regel

Das sind nur wenige Punkte von vielen die dazu führen, dass es sich meiner Meinung nach nicht lohnt in einem kleinen Ladengeschäft eine Ausbildung zu machen, wenn man mehr will als in im Einzelhandel zu arbeiten. Ich habe vor sehr vielen Jahren ein kurzes Praktikum in einem kleinen Geschäft gemacht, allerdings war das Team total cool und ich habe eine Menge gelernt, Verantwortung bekommen und mir wurde das Gefühl gegeben, dass ich eben nicht nur der dumme Praktikant bin und da hat Einzelhandel für Fotografie SEHR VIEL Spaß gemacht!

Nun ich habe meine Ausbildung anschließend trotzdem bei einem sehr großen Unternehmen machen dürfen. Luxus pur sage ich euch, Modernste Kameratechnik, ein herzensguter Chef der noch viel von analoger Fotografie und Großbildtechnik verstand, ein moderner Vorgesetzter ein riesiges Studio, jede gottverdammte Freiheit die man sich vorstellen kann, Weiterbildungen, Seminare, Equipment ausleihen, Großer eigener Arbeitsplatz usw. usw. was ich sagen will ist, dass das eine sehr große Ausnahme ist. Ich hatte einfach „Glück“ wenn man das so sagen kann.

Lohnt es sich eine Ausbildung zu machen?

Ich möchte das ganz ehrlich aus meiner persönlichen Sicht beantworten. Erspar dir eine Ausbildung zum Fotografen. Mit anderen Worten: „Mach bloß keine Ausbildung zum Fotografen“

  • Du verschenkst 3 Jahre deines Lebens für eine Ausbildung die nicht wertvoll genug ist um dir im späteren Leben weiterzuhelfen
  • Dein anschließend erhaltener Gesellenbrief und die damit verbundene Qualifikation bringt dich in der realen Welt nicht weiter
  • Bessere Jobchancen in den guten Studios oder Unternehmen hast du durch deine Ausbildung nicht
  • In einer Ausbildung kann es dazu kommen, dass dir das Bild von zu viel Arbeit und zu wenig Liebe und Leidenschaft vermittelt wird. Wo doch eigentlich die Arbeit pure Leidenschaft ist, egal wie hart und andauernd sie ist.
  • Wer passionierter Fotograf ist oder ambitionierter Hobbyfotograf ist, der lernt in der heutigen Zeit ohnehin alles autodidaktisch aus´m Web 
  • Konzentriert man sich lieber auf wichtigere Dinge wie Üben, Lernen, leidenschaftlich sein, Risiken eingehen, in Zukunft investieren, Praktika usw.

Ehrlicherweise die Vorteile einer Ausbildung (je nach Betrieb) sind:

  • Networking also Kontakte knüpfen können
  • Von der Firma bezahlte Weiterbildungen
  • Vorhandene Technik für sich nutzen können
  • Lernen von erfahrenen Menschen die einem helfen

Ich habe meine Ausbildung nicht so sehr bereut aber wünsche mir heute, ich hätte diese 3 Jahre für Praktika in großen Studios genutzt und hätte in großen Städten gelernt wie der Job eines Fotografen in einem großen Studio wirklich läuft.

Wie immer möchte ich niemanden (außer den alten Prüfungsausschuss) persönlich beleidigen. (Ausgenommen davon sind mein Chef und mein alter Lehrer)


Wie hat euch dieser Blogeintrag gefallen? Seid ihr heute glücklich mit eurer Ausbildung? Welche habt ihr genossen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare bei Facebook oder auch unter diesen Blog. In Liebe euer Dave

2 Comments

  1. Änna 18. November 2016 at 17:41

    Sehr sehr gute Worte. Habe die Ausbildung angefangen mit sehr viel Leidenschaft. Doch innerhalb der Ausbildung ist diese schnell verflogen. Auch die Kreativität leidet da drunter, weil einfach keine Zeit dafür ist.
    Bin trotzdem froh die Ausbildung gemacht zu haben und nach einigen Monat Abstand und rein schnuppern in andere Berufe liegt mit die Fotografie mehr als alles andere am Herzen.
    Als Tipp: Wer kreativ ist und Fotografie für ihn nicht nur ein Job ist sollte sich selbstständig machen.

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  2. Pingback: Warum neidische Fotografen dir helfen im Gespräch zu bleiben -

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